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Editorial

Wichtiges, schwieriges Jahr

Ende letzten Jahres gab es bekanntlich seitens der Regierung noch das eine oder andere Weihnachtsgeschenk. Erstens verhandelte die CGFP ein nicht zu erwartendes neues Gehälterabkommen aus, welches u.a viele finanzielle Vorteile für die Arbeitnehmer beinhaltet. Unsere Mitglieder erhielten die nötigen Informationen zu diesem kompletten Gehälterabkommen von uns per Post zugestellt. Ende Dezember wurde dann noch vom Wirtschaftsminister verkündet, dass die mehrmals angekündigte Indextranche nun definitiv für Januar erfallen würde. Diese beiden Maßnahmen haben in der Direktion, Ende des letzten Jahres, vermutlich nicht zu Freudentänzen respektive Gesängen beim Fest rund um den Weihnachtsbaum geführt. Wir als Briefträgergewerkschaft sind jedoch der Meinung, dass dieser Lohnzuschlag völlig gerechtfertigt ist, zumal es sich, was die Indextranche betrifft, nur um eine nachträgliche Anpassung an die reellen Lebenshaltungskosten handelt.

Zu bedauern ist jedoch, dass die kollektivvertraglich verpflichteten Angestellten („salariés“) nur zum Teil (also nur die Indextranche) von diesen Maßnahmen profitieren, so dass die Lohndifferenzen vor allem bei den Berufsgruppen der unteren Laufbahnen noch weiter auseinanderklaffen. Gute Arbeit soll gebührend bezahlt werden, und dass gute Arbeit geleistet wird beweisen sämtliche Postmitarbeiter Tag für Tag. Der Generaldirektor untermauert dies auch immer wieder in seinen Ansprachen. 

Immer mehr Postmitarbeiter beschweren sich rezent über die Häufigkeit ungesunder Stresssituationen. Viele Studien haben nachgewiesen, dass diese ungesunde Situation nicht ohne Impakt auf die Leistungsfähigkeit und Gesundheit bleibt.

Zur Erinnerung: Im gesamten Post Group wurden 2015 sage und schreibe 76.304 offizielle Überstunden berechnet. 45.173 Stunden wurden im Bereich von Post Courrier geleistet! 

Ein anderes nicht zu unterschätzendes Problem deutet sich an. Die Direktion von Post Courrier weist ständig darauf hin, dass schwere Zeiten anbrechen und die Briefträger sich umstellen müssen, um eventuell weitere Neuerungen und zusätzliche Belastungen zu schultern. Dies weil die Arbeit den Briefträgern aufgrund des Rückgangs von Postsendungen langsam auszugehen drohe! Tatsache ist aber, dass letztes Jahr noch immer um die 200 Millionen Sendungen im Verteilerzentrum in Bettemburg verarbeitet wurden. Hinzu kommt dann noch die Tatsache dass mehr Pakete, mehr A0-A3 Sendungen und mehr Einschreibsendungen verarbeitet worden sind.

Die Briefträgergewerkschaft weiß also, was sie von den Äußerungen der Direktion zu halten hat. Wir können uns denken, was bevorsteht. 

Es ist das gleiche Szenario wie schon vor ungefähr fünf Jahren, als die vorige Direktion auch permanent den Teufel an die Wand malte. Dies mit der Absicht Reorganisationen zu planen, die hinterher zu einem katastrophalen und wenig kundenfreundlichen Qualitätsverlust führten. 

Die Briefträger und die Gewerkschaft sind sich bewusst, dass die Briefsendungen im Bereich von Post Courrier seit Jahren leicht rückläufig sind, und dass dies demnach nicht zu unterschätzende Auswirkungen auf die Finanzen des Postunternehmens hat. Das Problem ist aber, dass man den Verlust an Briefsendungen im Bereich von um die sechs Prozent nicht einfach so darstellen kann, als bedeute dies sechs Prozent weniger Arbeit in den Rundgängen bzw. im Verteilerzentrum in Bettembourg. Dem ist definitiv nicht so. Und hier liegt dann auch das Problem. Man kann die Rundgänge der Briefträger nicht permanent erweitern, indem man dann unter Umständen Rundgänge wegrationalisiert! 

Auch der Allzweckwaffe, oder besser gesagt, dem Wunderknaben Briefträger sind Grenzen in punkto Strecke und Belastbarkeit gesetzt.

 

Das Risiko besteht, dass wir wieder in die unmögliche Situation wie schon 2011 geraten, wo die Grenzen der Belastbarkeit der Briefträger deutlich überschritten wurden. 

Aufgrund vorheriger Erfahrungen sind wir also gewarnt und werden uns wie bereits vor fünf Jahren nötigenfalls mit allen Mitteln zu wehren wissen, falls Entscheidungen getroffen werden sollten, die den Briefträgern nicht zusagen. Es dürfte interessant sein zu beobachten, ob die Direktion, wie immer angedeutet wird, den Dialog sucht oder auf Konfrontation schaltet. Warten wir’s ab!

Wie bereits in unserer letzten Ausgabe angekündigt, sind im Herbst dieses Jahres Wahlen für die Mandate der Personalvertreter im Verwaltungsrat von Post Group vorgesehen. Nachdem das Mandat unseres Ehrenpräsidenten ausläuft, gilt es im Herbst den Vertreter der Briefträgergewerkschaft bei diesen Wahlen zu unterstützen. 

 

Es darf nicht sein, dass bei all den Problemen, welche im Bereich von Post Courrier und Réseau vente bestehen und sicher noch auf uns alle zukommen werden, der Vertreter der größten Gewerkschaft in unserem Unternehmen nicht in diesem wichtigsten postalischen Gremium sitzt. Hier wird über die Zukunft der Briefträger, Schalterbeamten, Zeitungsausträger sowie des gesamten Postpersonals entschieden. 

Im Neuen Jahr sei der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass der solidarische Gedanke, der in der Vergangenheit die große Stärke der Briefträger war, wieder bei allen Mitgliedern verstärkt zu Tage tritt. Unsere stärkste Waffe bleibt die Solidarität!